Zusammenfassung der Studie zum Artikel „Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung und schwere Arbeitsausbeutung von Frauen - ein nicht gesehenes Phänomen?“

Herausgegeben vom KOK (Bundesweiter Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V.), erschienen im Oktober 2016

Link zur Studie des KOK

  • Menschenhandel wird von der Öffentlichkeit in Deutschland durch die Medien oft mit der sexuellen Ausbeutung, Frauenhandel und Zwangsprostitution in Verbindung gebracht. Menschenhandel zum Zweck von Arbeitsausbeutung, wie unangemessene Bezahlung, ungeregelte Arbeitszeiten, unverhältnismäßige Summe des Lohnes für die Unterbringung, kein Urlaubsanspruch und Krankengeld, nicht gerechte Vertragsvereinbarungen bzw. das Fehlen eines Arbeitsvertrages sind so gut wie kein Thema.
  • Schwere Arbeitsausbeutung wurde in den letzten Jahren immer mehr zum Thema, z.B. Beschäftigungsverhältnisse in der fleischverarbeitenden Industrie, Baubranche oder Fällen in der Pflegebranche.
  • Die Arbeitsausbeutung betrifft Männer und Frauen! Oft ist in den Köpfen der Menschen verankert Männer sind Betroffene von Arbeitsausbeutung und Frauen sind Betroffene von Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung.
  • Medien haben einen großen Einfluss auf die Wahrnehmung von betroffenen Menschen und der Gesellschaft. Aus diesem Grund sollten Schulungen für JournalistInnen und RedakteurInnen angeboten werden, die diese dafür sensibilisiert, dass Frauen nicht nur von sexueller Ausbeutung betroffen sind, sondern auch als Arbeitende ausgebeutet werden. Medienanstalten wie Zeitungen und Rundfunk können durch Berichte solcher Fälle dazu beitragen, dass dies in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen wird.
  • In Deutschland gibt es keine Gewerkschaften für Haushalte, wie z.B. in der Gastronomie oder der Baubranche, sodass Arbeitsausbeutung oft nicht aufgedeckt wird. Somit kann schlecht auf die Missstände in der Öffentlichkeit aufmerksam gemacht werden.
    Dies führt auch dazu, dass nicht alle Branchen zugänglich für Beratungsstellen und Behörden wie Zoll oder Polizei sind. Besonders Tätigkeitsfelder wie Privathaushalte oder landwirtschaftliche Betriebe in denen häufig Frauen vom Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung betroffen sind, ist der Zugang zu Beratungsstellen besonders erschwert. Auch für Kontrollbehörden ist der Zugang für Ermittlungen und Kontrollen in diesem Bereich besonders erschwert, was dazu führt, dass Fälle in diesen Bereichen oft nicht aufgedeckt werden.
  • Seit 2005 ist Menschenhandel zum Zweck der Arbeitsausbeutung im deutschen Staatsrecht verankert. Staatsanwaltschaften und Gerichte haben jedoch bisher wenig Erfahrung im Umgang mit dem §233 StGB. Dies könnte zu Schwierigkeiten in der Praxis (der Umsetzung) kommen. Ein weiteres Problem ist die Arbeitsausbeutung zu beweisen. Oft fehlen hierbei die Beweise besonders in Privathaushalten, in die es von außen kaum Einblicke gibt, da Polizei, Zoll und Staatsanwaltschaft hier kaum Ressourcen haben. Für das Jahr 2015 wurde davon ausgegangen, dass ca. 80% der Tätigkeiten im Privathaushalt (Pflege- und Betreuungstätigkeiten, allgemeine Haushaltsunterstützung) illegal beschäftigt waren.

Um dieser Isolation entgegenzuwirken, haben einige Frauen Strategien entwickelt:

  • nur dann ein Beschäftigungsverhältnis eingehen, wenn Internetzugang vorhanden ist, um mit Freunden und der Familie durch die sozialen Netzwerke in Kontakt zu sein
  • Formen der Selbstorganisation, um sich mit anderen Frauen in ähnlichen Situationen auszutauschen (Cafés, offene Treffpunkte, etc.)
  • Hierbei sind die Fachberatungsstellen sehr wichtig, um zunächst auf Missstände und Ausbeutung aufmerksam zu machen und die Frauen über ihre Rechte im Arbeitsverhältnis aufzuklären. Leider haben viele Beratungsstellen momentan noch nicht die notwendigen Ressourcen um sich auf das Thema Menschenhandel zu konzentrieren. In einigen Bundesländern gibt es keine entsprechenden Beratungs- und Unterstützungsangebote. Dadurch werden viele Betroffene nicht erreicht und/oder haben dadurch einen erschwerten Zugang zu ihrem Recht.
  • OPEN hat bereits ein breites Beratungsnetzwerk für junge Frauen in Deutschland und einigen Osteuropäischen Ländern aufgebaut. Dadurch können die Frauen schon von Anfang an, also im Heimatland informiert und aufgeklärt werden.
  • Es ist von zentraler Bedeutung, dass spezialisierte Beratungsstellen gegen Menschenhandel und Arbeitsausbeutung ausreichend finanziert werden, um den verschiedenen Zielgruppen ein angemessenes Angebot bieten zu können.

Lorena Stoll und Maria Wolf