Gefahren - Beratung hilft

Wenn du nach Deutschland ohne gültigen Aufenthaltstitel einreist, hast du teilweise keinen, oder nur sehr erschwerten Zugang zur Gesundheitsversorgung und zur Gerichtsbarkeit. Ohne gültigen Aufenthaltstitel, oder mit zu wenig Wissen über ihre Rechte und Möglichkeiten, gelangen junge Frauen in Deutschland immer wieder in ausbeuterische Verhältnisse – sei es Zwangsprostitution oder Arbeitsausbeutung.

Achtung! Bitte informiere dich unbedingt, bevor du nach Deutschland kommst, welche Voraussetzungen für einen legalen Aufenthalt gegeben sein müssen und ob diese bei dir erfüllt sind. Das betrifft sowohl die Einreise, als auch den Aufenthalt und die Arbeitsaufnahme.

Planst du einen Aufenthalt als Au-pair, schalte unbedingt eine seriöse Au-pair-Agentur ein! Wer sich selber eine Familie sucht, geht große Risiken ein. Wenn es Probleme gibt, hast du keinen Ansprechpartner. Das ist wichtiger, als es vielleicht vorher aussieht. Ein Au-pair-Aufenthalt braucht Begleitung.

Ob Au-pair-Aufenthalt, Studium, Praktikum oder Freiwilligendienst - wir begleiten dich!

Du bist in Gefahr, wenn:

  • du einen Arbeitsvertrag unterschreibst, den du nicht verstehst! Du musst dir sicher sein, dass du alles gelesen und verstanden hast, in einer Sprache, die dir geläufig ist.
  • du aufgefordert wirst, mit falschen Papieren ins Ausland zu gehen!
  • du aufgefordert wirst, Geld zu leihen, damit du deine Reisekosten bezahlen kannst!
  • dir ein Job angeboten wird, der keine Ausbildung, keine Erfahrung oder Sprachkenntnisse erfordert!
  • du aufgefordert wirst, deine Papiere abzugeben.
    Überlasse niemals deine Papiere einer anderen Person!

Gefahren - Fallbeispiele:

Menschenhandel zur sexuellen Ausbeutung

Adriana* kommt aus einem kleinen Dorf nahe einer Stadt in Ostrumänien. Sie ist 23 Jahre alt, als sie als Zeugin bei einem Gerichtsverfahren gegen zehn Angeklagte wegen schweren Menschenhandels aussagt.

Als Älteste von acht Geschwistern musste sie die Schule nach der 8. Klasse beenden, obwohl sie gern weiter gelernt hätte. Doch sie muss helfen, Geld zu verdienen, und arbeitet in verschiedenen Gelegenheitsjobs. Ihr Vater ist ein Taugenichts, versäuft das wenige Geld, schlägt die Mutter, schlägt auch sie. Der Druck ist hoch, ihren Geschwistern und ihrer Mutter zu helfen.

Da bietet ihr eine Bekannte Arbeit in Deutschland an – sie könnte dort bei ihrem Bruder in einem Restaurant arbeiten. Adriana ergreift diese einmalige Chance, sie stellt keine Fragen, weil sie um alles in der Welt Geld verdienen muss. Es wird ihr eilends ein Personalausweis ausgestellt, und nur eine Woche später sitzt sie mit anderen in einem Kleinbus und fährt über Nacht bis nach Deutschland.

Sie wird in eine Wohnung gebracht, wo bereits viele andere junge Frauen auf dem Boden schlafen. Sie weiß nicht, wo in Deutschland sie ist, sie weiß auch nicht, was sie erwartet. Am nächsten Tag wird sie in ein Bordell gebracht, in dem alle Frauen nackt herum laufen und mit Männern turteln. Sie ist entsetzt, doch sie muss es ihnen gleich tun. An ihrem ersten Tag muss sie mit sieben Männern schlafen. Schon beim ersten hat sie riesige Schmerzen, da sie gesundheitliche Probleme im Unterleib mitbrachte. Nach dem letzten kann sie nicht mehr, bricht vor Schmerzen fast zusammen. Sie wird in die Wohnung zurück gebracht. Es ist offensichtlich, dass sie zu dieser Arbeit nicht taugt. Der „Chef“ in der Wohnung vergewaltigt sie noch – doch ins Bordell wird sie nicht mehr geschickt. Nach zwei langen Wochen sehen die Täter ein, dass sie Adriana nicht gebrauchen können, und schicken sie zurück in ihren Herkunftsort.

Es dauert drei Jahre, bis die Täter vor Gericht stehen. Vor ihrer Aussage hat sie riesige Angst. Sie wünscht sich, dass die Täter, die ihr all das angetan haben, verurteilt werden – doch sie ist traumatisiert, die schlimmen Bilder kommen wieder hoch und peinigen sie, sie bricht fast zusammen. Doch mutig steht sie zwei ganze Tage der Vernehmung durch und erzählt alles, was ihr widerfahren ist. Danach kehrt sie zu ihrer Familie zurück. Sie sorgt sich immer noch um ihre zwei jüngeren Schwestern, die vom Vater geschlagen, hoffentlich nicht sexuell missbraucht werden, und sie muss wieder versuchen, irgendwie Geld zu verdienen, um sich, ihre Eltern und ihre Geschwister durchzubringen.

* Name geändert

Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung

Ana* ist verheiratet und hat vier Kinder. Da erleidet ihr Mann einen Arbeitsunfall und wird auf der rechten Seite gelähmt. Die Firma erkennt es nicht als Arbeitsunfall an, und so verliert er nicht nur die Arbeit, sondern bekommt auch keine finanzielle Unterstützung. Eine Katastrophe!

Nun sucht Ana Arbeit, aber mit vier Kindern hat sie keine Chance. Da verspricht ihr eine Vermittlungsagentur einen tollen Job in Deutschland. Kaum ist sie hier angekommen, erfährt sie, dass die Agentur monatlich 300 € von der Familie einholt. Sie selbst muss für 400 € im Monat ein Ehepaar pflegen und deren Haushalt machen. Dabei darf sie nicht mit ihren Kindern telefonieren und auch nicht mit den Nachbarn sprechen. Sie putzt, kocht und pflegt zwei Personen. Wenn sie zwei Stunden in der Nacht am Stück schlafen kann, ist sie froh. Sie spricht nicht gut Deutsch und ihr ist bewusst, dass sie schwarz arbeitet. Aus Angst spricht sie anfangs mit niemandem. Nach drei Wochen hält sie es nicht mehr aus und bittet eine Nachbarin um Hilfe, die im Fraueninformationszentrum (FIZ) anruft. Das FIZ holt Ana ab und bietet ihr Betreuung und Stabilisierung. Ana will schnell zurück zu ihrer Familie. Das FIZ stellt den Kontakt zu einer Organisation in Rumänien her, die sie bei der Rückkehr und in ihrer schwierigen Situation zuhause unterstützt.

*Name geändert